Aus der Beratungspraxis
/ 23. Januar 2026

Qualitätskultur – welche Rolle spielen die Personen in der Organisation?

Unter einer Qualitätskultur versteht man das tägliche Verhalten aller Beteiligten, nicht das Handbuch im Regal. Im aktuellen Entwurf der überarbeiteten ISO 9001 wird von den Unternehmen eine solche Kultur gefordert. Um eine nachhaltige Qualitätskultur aufzubauen, bedarf es unter anderem Zeit und Menschen in der Organisation, die eine solche Kultur beständig umsetzen. Welche Rollen den einzelnen Personengruppen dabei zuteil werden lesen Sie hier.

Führung hat wichtige Rolle

Zunächst einmal hat die oberste Leitung eine sehr wichtige Rolle. Sie gilt als Vorbild für die Organisation und muss sich daher dieser Verantwortung bewusst sein. Um diese Rolle ausfüllen zu können, benötigt die Führung natürlich zunächst einmal ein gutes Fachwissen darüber, was ein Qualitätsmanagement in der Organisation leisten kann und wieso Qualität so wertvoll und wichtig ist. Dies kann sie z. B. unter Beweis stellen, indem sie eine klare Priorisierung von Qualität gegenüber reinem Zeit- oder Kostendruck vertritt.

Dem QM den Rücken stärken

Wir im Qualitätsmanagement profitieren z. B. davon, dass die oberste Leitung uns bei der Umsetzung unserer Qualitätsstrategie und den daraus abgeleiteten Zielen und Maßnahmen unterstützt. Hierzu stellt sie z.B. ausreichende Ressourcen zur Verfügung. Als Vorbild vermittelt sie hier zwischen den Beteiligten und zeigt deutlich, dass das Qualitätsmanagement kein „Add-on“ oder „nice to have“, sondern vielmehr für den Erfolg des Unternehmens unverzichtbar ist und fordert die Beteiligung ein.

Mitarbeiter einbeziehen

Neben der obersten Leitung und dem Qualitätsfachpersonal haben aber auch alle anderen Mitarbeiter eine wichtige Rolle in der Qualitätskultur. So wird von ihnen Eigeninitiative gefordert, diese gefördert und anerkannt. Damit das funktioniert, müssen Kolleginnen und Kollegen natürlich viel stärker in die Wirkweisen und den Nutzen des Qualitätsmanagements eingewiesen werden. Nur so können sie selbst qualifizierten Input für Verbesserungsprojekte liefern oder Optimierungs­potenziale und mögliche Lösungen aufzeigen.

Achtung

Am besten binden Sie engagierte Kolleginnen und Kollegen, insbesondere aus dem mittleren Management, bereits bei der Erstellung der Qualitätsstrategie mit ein. Indem deutlich wird, dass gemeinsam Probleme angegangen werden und Abteilungen nicht damit alleingelassen werden, baut sich ein besserer Zusammenhalt auf. Zudem ist die interdisziplinäre Zusammensetzung häufig ein großer Vorteil bei der Weiterentwicklung des Systems.

Feedback ernst nehmen und nutzen

Mitarbeiter, die sich als selbstwirksam wahrnehmen, sind meist motiviert und fühlen sich stärker mit der Organisation verbunden. Dies wird vor allem dadurch gefördert, dass geeignete Kommunikationsstrukturen für Feedbacks aus allen Unternehmensbereichen geschaffen und die Mitarbeiter auch bei der Umsetzung eingebunden werden.

Expertentipp

Gerade langgediente Führungskräfte glauben häufig, sich den Initiativen des Qualitätsmanagements nicht anschließen zu müssen. Auf direktem Weg fordern sie bei der Geschäftsleitung eine Ausnahmeregelung für ihren Bereich ein, meist unter der Begründung begrenzter Ressourcen oder anderer wichtiger Aufgaben. Gibt die oberste Leitung hier nach, macht sie uns im QM natürlich unnötig das Leben schwer.

Stefanie Gertz