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Analyse
22. Mai 2026

Richtig Feedback geben – auch für den QMB wichtig

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Richtig Feedback geben – auch für den QMB wichtig
Bild: © iStock/Getty Images/Jacob Wackerhausen
Qualitätsmanagement zielt darauf ab, Schwachstellen zu erkennen, Anpassungen vorzunehmen und die Prozesse des QM-Systems fortlaufend zu verbessern. Dazu können Feedbacks starke Impulse geben. Sie bieten Ihnen als QMB die Chance, an wichtige Informationen zu gelangen, konstruktive Dialoge mit Ihren Mitarbeitern zu führen und geben Input für Verbesserungen. Damit Feedback gelingt, sollten Sie acht Regeln einhalten, auf die in diesem Beitrag eingegangen wird.

Warum Feedback geben?

Warum ist Feedback so wichtig? Feedback ist ein Instrument mit einer starken Motivationswirkung. Es ermöglicht Ihnen, Ihre Selbstwahrnehmungen mit den Wahrnehmungen Ihrer Mitarbeiter abzugleichen. Feedback schafft Klarheit und fördert einen intensiven Gedankenaustausch. Darüber hinaus hilft es dabei,

  • Missverständnisse auszuräumen und Konflikten vorzubeugen,
  • unterschiedliche Interpretationen abzustimmen,
  • das Engagement Ihrer Mitarbeiter zu steigern,
  • das Qualitätsbewusstsein Ihrer Mitarbeiter zu stärken und
  • die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter zu fördern.

Regel 1: Mitarbeiter wertschätzen

Wenn Sie Verhaltensänderungen bei Ihren Mitarbeitern erzielen möchten, sollten Sie wertschätzend mit Ihnen umgehen. Dies gilt auch für Feedbacks. Dazu gehört, dass Sie in einem Feedbackgespräch respektvoll und auf Augenhöhe mit dem Feedbackempfänger kommunizieren und sich nicht herablassend ihm gegenüber äußern.

Führen Sie keine Monologe, sondern lassen Sie Ihren Feed­backempfänger zu Wort kommen, damit er seine eigenen Wahrnehmungen artikulieren kann. Bewahren Sie beim Feedback eine positive Grundhaltung, auch dann, wenn Sie Kritik vorzubringen haben, wenn Ihnen der Feedbackgeber wenig sympathisch ist oder wenn Sie sich kürzlich über ihn geärgert haben sollten. Bleiben Sie beim Feedback gegenüber Ihren Mitarbeitern immer souverän und professionell.

Achtung
Äußern Sie Kritik nur in einem Vier-Augen-Gespräch und niemals vor Kollegen. Anders sieht es mit Lob und Anerkennung aus, wovon auch andere Mitarbeiter erfahren dürfen.

Regel 2: Kritik sachlich äußern

Insbesondere wenn es darum geht, Kritik zu äußern, sollten Sie Ihr Feedback immer auf einen konkreten Anlass beziehen. Dies kann eine Situation, ein Ereignis, ein Ergebnis, z. B. eine gute Leistung oder das Verhalten eines Mitarbeiters sein. Bewerten Sie nur den Sachverhalt mithilfe von Daten, Fakten und Beobachtungen und nicht die Person.

Kommunizieren Sie klar, was Sie erwarten und verzichten Sie auf Verallgemeinerungen und vage Aussagen, da diese oftmals zu Missverständnissen führen. Bleiben Sie auch im Ton sachlich. Beschreiben Sie den Anlass für das Feedback möglichst konkret, denn dadurch bekommt der Feed­backempfänger Anhaltspunkte, was er ändern soll.

Verzichten Sie auf Schuldzuweisungen und auf Vorwürfe, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ihr Feedback beim Feedbackempfänger auf Verständnis und Akzeptanz stößt.

Regel 3: Regelmäßig Feedback geben

Wenn Sie die Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern verbessern und Verhaltensänderungen herbeiführen wollen, sollten Sie Feedback nicht nur einmalig, sondern regelmäßig geben. Dabei ist zwischen einem Kurzfeedback, das Sie jederzeit während des Arbeitsalltags anwenden können, und einem ausführlichen Feedbackgespräch zu unterscheiden. Letzteres können Sie in größeren Abständen, z. B. quartalsweise oder halbjährlich führen, um das Verhalten eines Mitarbeiters über einen längeren Zeitraum zu reflektieren.

Achten Sie darauf, dass Sie sich auch für ein Kurzfeedback ausreichend Zeit nehmen. Je häufiger Sie Ihren Mitarbeitern Feedback geben, desto eher wird es Ihnen gelingen, eine Feedbackkultur in Ihrem gesamten Unternehmen zu
etablieren und Ihre Mitarbeiter werden Feedback als etwas Normales in ihrem Arbeitsalltag empfinden.

Regel 4: Den richtigen Zeitpunkt wählen

Bedenken Sie, dass Ihr Feedback nicht unmittelbar, jedoch zeitnah zu einem Anlass erfolgen sollte, sodass sich der Feedbackempfänger noch daran erinnern kann. Vermeiden sollten Sie Feedbacks in Zeiten, in denen Ihre Mitarbeiter arbeitsmäßig stark belastet oder gestresst und daher nicht aufnahmefähig für ein Feedback sind.

Es wirkt dann eher kontraproduktiv. Ungünstig ist auch, wenn Sie Feedbackgespräche direkt vor einem Wochenende oder dem Urlaub des Feedbackempfängers anberaumen.

Regel 5: Zukunft in den Blick nehmen

Gerade bei kritischem Feedback ist ein konstruktives Vorgehen unerlässlich. Daher sollten Sie nicht nur die Vergangenheit reflektieren, sondern Ihrem Feedbacknehmer Wege und Lösungen aufzeigen, wie sich die Situation zukünftig verbessern lässt.

Erklären Sie konkret, was der Feedbacknehmer an seinem Verhalten in Zukunft ändern soll. Bieten Sie ihm Unterstützung an und fragen Sie, wie Sie ihm helfen können. Schlagen Sie ihm ggf. ein Training oder Coaching vor.

Regel 6: Feedbackgespräch strukturieren

Der Erfolg Ihres Feedbacks häng auch davon ab, ob Sie in Ihren Feedbackgesprächen systematisch und strukturiert vorgehen. Beginnen Sie positiv, also mit Lob und Anerkennung und gehen Sie danach zu kritischen Punkten über.

Bedenken Sie, dass das, was Sie am Ende eines Gesprächs sagen, dem Feedbackempfänger besonders im Gedächtnis bleibt. Wenn Sie Positives an das Gesprächsende setzen, besteht die Gefahr, dass die Wirkung des Feedbacks verlorengeht.

Wichtig ist auch, dass Sie Ihr Feedback gut vorbereiten. Orientieren Sie Ihre Feedbackgespräche an den fünf Schritten, die in Tabelle 1 gezeigt werden.

 

 

Tab. 1: In fünf Schritten zum richtigen Feedback
Schritt 1:
Feedback vorbereiten
Schaffen Sie Klarheit, ob Ihr Feedbackempfänger bereit ist für ein Feedback.
Sammeln Sie Fakten und Beobachtungen und klären Sie, was Sie mit Ihrem Feedback erreichen wollen.
Schritt 2:
Anlass beschreiben
Im Anschluss daran sollten Sie den Anlass, auf den sich Ihr Feedback beziehen soll, beschreiben.
Schritt 3:
Auswirkung aufzeigen
Erklären Sie nun die Auswirkung des Verhaltens auf das QM-System, auf das Team, einen Prozess, ein Produkt oder ein Projekt.
Schritt 4:
Feedbackempfänger zu Wort kommen lassen
Geben Sie jetzt dem Feedbackempfänger die Möglichkeit, seinen eigenen Standpunkt darzulegen.
Schritt 5:
Eigenen Wunsch bzw. Standpunkt artikulieren
Konkretisieren Sie schließlich Ihre Erwartungen an das Verhalten des Feedbackempfängers.
Suchen Sie gemeinsam mit dem Feedbackempfänger eine Lösung und erarbeiten Sie einen Aktionsplan.
Legen Sie ggf. einen weiteren Termin fest.

Regel 7: Selbst offen für Feedback sein

Feedback geben ist keine Einbahnstraße. Daher sollten auch Sie offen für Rückmeldungen sein, sei es von Ihren Mitarbeitern oder von Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartnern. Denken Sie daran, dass Feedback Hinweise auf Verfahren oder Prozesse geben kann, die in Ihrem Unternehmen nicht optimal laufen.

Regel 8: Fehler, die Sie vermeiden können und sollten

Auch als erfahrener Feedbackgeber sollten Sie bestimmte Fehler beim Feedback vermeiden. Dazu gehört, dass Sie kein Feedback geben, sei es aus Zeitmangel, Bequemlichkeit oder fehlender Sympathie.

Oftmals ist auch zu beobachten, dass Feedbackgeber nicht richtig zuhören, wodurch es dann zu Missverständnissen kommen kann. Außerdem sollten Sie nicht zu schnelle Verhaltensänderungen bei Ihren Mitarbeitern erwarten, da es normal ist, dass Menschen in alte Verhaltensmuster zurückfallen, bevor bei ihnen entsprechende Lernprozesse einsetzen.

Diese Formulierungen sollten Sie unbedingt vermeiden, da sie als Kommunikationskiller wirken:

  • „Sie wirken in letzter Zeit ziemlich unmotiviert!“
  • „Das haben Sie mal wieder falsch gemacht!“
  • „Sie sind in letzter Zeit immer so unzuverlässig!“
  • „Was Sie da gemacht haben, war nicht gut!“
  • „Sie wirken sehr unorganisiert!“
Beispiel
Angenommen, ein Produktentwicklungsprojekt verlief zunächst planmäßig. In letzter Zeit wurden jedoch mehrere Meilensteine nicht erreicht, so dass das Projekt in Verzug geriet. Dazu möchten Sie dem Projektleiter ein Feedback geben:

Phase 1: Die Meilensteintrendanalyse zum Projekt zeigt Ihnen, dass zwei Meilensteine nicht eingehalten wurden und zwei weitere voraussichtlich auch nicht eingehalten werden können.

Phase 2: Sie schildern dem Projektleiter das Problem anhand der Meilenstein-Trend-Analyse. Loben Sie den Projektleiter zunächst dafür, dass das Projekt bisher gut lief. Danach kommen Sie auf das Problem zu sprechen.

Phase 3: Nun erklären Sie dem Projektleiter, dass durch einen verspäteten Markteintritt des Produkts das geplante Umsatzziel nicht erreicht werden kann und voraussichtlich das Entwicklungsbudget überschritten wird.

Phase 4: Der Projektleiter begründet das Problem damit, dass zwei der fünf Mitarbeiter im Entwicklungsteam auch in weiteren Projekten eingesetzt werden und dadurch zu wenig Zeit für das Entwicklungsprojekt haben.

Phase 5: Bitten Sie den Projektleiter, sich zukünftig umgehend an den Lenkungskreis zu wenden, wenn Meilensteine voraussichtlich nicht erreicht werden. Die Lösung, die Sie mit dem Projektleiter vereinbaren, könnte darauf hinauslaufen, dass die beiden Projektmitarbeiter aus anderen Projekten abgezogen werden, oder dass ein zusätzlicher Mitarbeiter in das Entwicklungsteam berufen wird.

Jens Harmeier

Jens Harmeier